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Wachkoma - Was ist das?

"Wachkoma" ist ein komplexes Krankheitsbild, das uneinheitlich definiert ist. Eine sachgerechte Beschreibung und Analyse kann nicht nur biologisch-medizinisch erfolgten, sondern muss auch die subjektiven Faktoren und die besondere Form des "Erlebens" berücksichtigen.

 
 
Inhaltverzeichnis
Definition des Wachkomas durch das bio­-medizinische Modell | Definition des Wachkomas als Erlebensprozess
 
 
 

Definition des Wachkomas durch das bio­-medizinische Modell

 
  Für das Wachkoma existieren synonym mehrere medizinische Fachbe­griffe: apallisches Syndrom, Coma vigile, persistierender vegetativer Sta­tus (engl. persistent vegetative state).

Dabei handelt es sich um ein schweres, komplexes Krankheitsbild, das uneinheitlich definiert ist. Es kommt zu einer weitgehenden Unterbrechung der Leitungsbahnen zwischen Großhirn und Hirnstamm. Bei weitgehend ungestörter Funktion des Stammhirns (Atmung, Schlaf-Wach-Rhythmen, Schlucken und teilweise auch Essen) besteht eine ausgeprägte Störung der Großhirnfunktionen (z.B. Sprechen, gezielt Bewegen usw.).

Ursächlich liegen schwere Schädel-Hirn-Traumata (Lt. Zieger, 1997: ca. 300-400 Fälle pro Jahr in Deutschland), Zustände nach kardiopulmonaler Reanimation, Endzustände schwerer Hirnerkrankungen (z.B. Morbus Alzheimer, Jakob-Creutzfeld Erkrankung, schwerste Gehirnfehlbildungen) zugrunde.

Laut einer Arbeitsgruppe mehrerer amerikanischer Fachgesellschaften, die sorgfältig zahlreiche klinische Studien recherchiert haben (Multi-Society-Task-Force on Persistent Vegetative State, New England Journal of Medicine, 1994), ist die Prognose abhängig von der Ursache. Für Schädel-Hirn-Traumata wurden folgende Zahlen aus der Literatur zu­sammengestellt: Nach drei Monaten sind 33 % der Patienten, die anfänglich im Wachkoma waren, bei vollem Bewusstsein, nach einem Jahr 52 %. Bezüglich der anderen Ursachen waren nach drei Monaten 11 % und nach einem Jahr 15 % der Patienten bei vollem Bewusstsein. In Einzelfällen wird ein Wiedererlangen des Bewusstseins nach Jahren beschrieben.

Jedoch waren bei den traumatischen Ursachen nach drei Monaten 15 % und nach einem Jahr 33 % gestorben, bei den nichttraumatischen Ursachen nach 3 Monaten 24% und nach einem Jahr 53% gestorben.

Nach dem Erstbeschreiber F. Kretschmar (1940) handelt es sich beim apallischen Syndrom um eine funktionelle Trennung zwischen Hirnrinde und den übrigen Hirnzentren. Dies führt zu folgender Symptomatik: Die Patienten zeigen keine Spontanäußerungen, keine Bewegungen, keine Blickfixationen. Sie sind ohne emotionale Kontaktfähigkeit.

Laut Gerstenbrand (1967) besteht beim apallischen Syndrom nach schwerem Schädel-Hirn-Trauma folgende Symptomatik: Die Menschen sind wach, ohne Bewusstseinsinhalte, es fehlen jegliche emotionalen Re­aktionen. Sie zeigen eine fixierte Körperhaltung und das Auftreten primi­tiver motorischer Schablonen. Es bestehen ein belastungszeitlich regulier­ter Schlaf-Wach-Rhythmus sowie eine extreme Überaktivität des sym­pathischen Nervensystems.

Laut Kunzes Lehrbuch für Neurologie (1992, S. 748) zeigen apallische Patienten ein „Fehlen jeglicher emotionaler Funktionen. Die Patienten lie­gen mit geöffneten Augen im Bett, wirken wach, sind aber weder in der Lage, äußere Signale bewusst zu verarbeiten, noch können sie selbst Kontakt mit ihrer Umwelt aufnehmen.“

Zunächst fällt an diesen Krankheitsdefinitionen auf, dass nur Defizite zur Definition benutzt werden. In einem sehr technischen Weltbild werden die gestörten Funktionen der Maschine „menschlicher Körper“ beschrieben und darüber hinaus bewertet. Aus einer fehlenden Reaktion auf äußere Stimuli, wie sie in einer neurologischen Untersuchung überprüft werden, wird schlicht ein „Fehlen jeglicher emotionaler Funktionen“ geschlossen. Die noch vorhandenen Reaktionen des Patienten werden als „primitive motorische Schablonen“ bewertet.

Die klassische medizinische Sicht stellt die beobachtbaren neurologischen Ausfallserscheinungen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Verhaltensde­fizite der Person wie fehlende Reaktionsfähigkeit und fehlende Weckbar­keit auf bestimmte Reize geben Aufschluss über die Schwere der dahinter stehenden Bewusstseinsstörung. Insofern werden die Unfähigkeit zur sinnvollen Reaktion auf Ansprache oder Berührung und das Unvermögen zur Kontaktaufnahme mit der Umwelt als hauptsächliche Definitions­kriterien des Wachkomas gesehen (Bienstein und Hannich 2000, S. 11).

Neben dieser Position steht die sogenannte beziehungsmedizinische Sicht. Diese versucht, den Zustand des Patienten nicht primär durch seine Defizite zu beschreiben. Sie bemüht sich stattdessen um die Betrachtung des Kranken unter Einbezug von Beobachtungen und Erfahrungen der Betreuer, unter Betonung der individuellen Biographie sowie der Möglich­keit zu einem subjektiven Erleben. Fehlende Reaktionsfähigkeit und Weckbarkeit werden nicht mit Wahrnehmungs- und Em­pfindungsunfähigkeit gleichgesetzt (Bienstein und Hannich 2000, S. 11ff.).

 
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