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Und wenn es Liebe wäre? - Missbrauch einer Wachkoma-Patientin

 
 
Inhaltverzeichnis
Einleitung | Nähe – Liebe – Sexualität | Kann Liebe aus dem Koma erwecken? | Missbrauch – eine juristische Annäherung | Wie kann Prävention aussehen? | Liebe muss sein
 
 
 

Liebe muss sein

 
 

Ohne Liebe im weiteren wie im engeren Sinne verkümmern Menschen. Menschen brauchen Menschen, die ihnen nahe sind, die sie verstehen und begleiten, die dies auch körperlich ausdrücken können. Menschen, die in ihrer verbalen Kommunikationsfähigkeit, in ihrer Denkfähigkeit erheblich eingeschränkt sind, sind besonders auf körperliche Kommunikation und körperlichen Austausch angewiesen.

In unserer Gesellschaft verbinden wir körperlichen Kontakt sehr häufig viel zu schnell mit sexuellem Kontakt im engeren Sinne. Die Pflegenden, die Angehörigen, aber auch Vorgesetzte und juristisch tätige Menschen müssen lernen, dass angesichts besonderer Umstände auch die Formen der Kommunikation mit einem Menschen im Wachkoma oder Koma besondere sein müssen.

Kommen wir noch einmal auf das unsägliche Wort Missbrauch zurück: Missbrauch geschieht dann, wenn jemand den „rechten Gebrauch“ seiner Möglichkeiten nicht gelernt hat. Sei es, dass er gewalttätig wird, sei es, dass er die Wünsche und den Willen anderer Menschen völlig ignoriert, sei es, dass er auch aus Unwissenheit andere Menschen verletzt und in ihrer Würde beschmutzt. Nachsatz: Diese Frau, die unsere Überlegungen aktuell ausgelöst hat, war schwanger. Man hat eine Spätabtreibung vorgenommen. In der offiziellen Pressemitteilung heißt es, eine medizinische Diagnose habe ergeben, dass das Kind schwer behindert wäre.

Wir sind verwirrt, ja eigentlich empört, dass die Behinderung eines Kindes – entgegen der UNCharta Rechte behinderter Menschen, entgegen des Diskriminierungsverbotes, entgegen des Wegfalls einer eugenischen Indikation – in einem Atemzug mit dem Schwangerschaftsabbruch genannt wurde. Die Tötung eines Menschen kann nicht die Problemlösung sein …

Die Verfasser:
Marcello Ciarrettino, Dipl.-Pflegepädagoge und Institutsleiter BaWiG Essen
Prof. Dr. Andreas Fröhlich, Professor für Allgemeine Sonderpädagogik, Begründer der Basalen Stimulation
Peter Nydahl, Krankenpfleger, Pflegeexperte für Menschen im Wachkoma, Praxisanleiter

Anschrift für die Verfasser:
Peter Nydahl UK-SH, Campus Kiel
Neurologische Intensivstation und Strokeunit N1
Schittenhelmstraße 10, 24105 Kiel
E-Mail: nydahl@arcor.de

Quellenangabe:
Bibliomed Verlag "Die Schwester - Der Pfleger" 7/10

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