DEUTSCHE WACHKOMA GESELLSCHAFT

BUNDESVERBAND

SCHÄDEL-HIRNPATIENTEN IN NOT e.V.

Phasenmodell

Neurologische Reha-Phasen

Neurologische Reha-Phasen A bis E

„Unser segensreiches Phasenmodell!“

Rehabilitationsphasen für Schwerst-Schädel-Hirnverletzte und Patienten im Wachkoma

 

Der typische Verlauf der Behandlung für Schwerst-Schädel-Hirnverletzte wird in einem Phasenmodell beschrieben. Dabei müssen nicht notwendigerweise alle Phasen nacheinander durchlaufen werden. Vielmehr richtet es sich nach dem Genesungszustand und den wiedererlangten Fähigkeiten des Betroffenen, welche Phase angesteuert und welche übersprungen werden kann.

 

Nach A grundsätzlich B

 

Eine grundsätzliche Regel ist allerdings, dass nach der Akutphase (Phase A) auf jeden Fall ein Aufenthalt in der Frührehabilitation (Phase B) folgt. Leider versuchen manchmal Ärzte der Intensivstation, der Sozialdienst oder Kostenträger davon abzuweichen und Betroffene gleich in eine Pflegeeinrichtung zu verlegen. Nehmen Sie in einem solchen Fall bitte sofort mit uns Kontakt auf!

 

Phase A: Akutbehandlung

 

Neurologische neurochirurgische, internistische Klinik (Intensivstation)

 

Hier wird der Patient akutmedizinisch (je nach Art der Hirnschädigung) behandelt und auch die weiteren Verletzungen (z.B. bei einem Schädel-Hirntrauma durch Unfall) wie Knochenbrüche und weitere organische Läsionen versorgt. Die Verweildauer kann von 5-8 Tagen auch bis zu 3-5 Wochen (in Einzelfällen auch länger)sein. Auch erste rehabilitative Ansätze erfolgen.

 

Phase B: Frührehabilitation

 

In der Frührehabilitation wird bei Patienten mit schwerwiegenden neurologischen Ausfallerscheinungen (vermindertes Bewusstsein, Wachkoma, Hirnnervenausfällen, Schluckstörungen, schwere Lähmungserscheinungen, psychoorganisches Durchgangssyndrom und Einschränkungen der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit) die im Akutkrankenhaus begonnene Behandlung sofort zeitnah fortgesetzt.

Das interdisziplinäre Therapieprogramm ist individuell auf das entsprechende Krankheitsbild abgestimmt. Dabei sollten auch die Angehörigen mit einbezogen werden. Therapeutische Schwerpunkte in der Phase B sind:

 

  • therapeutische Pflege
  • Physiotherapie und physikalische Therapie
  • Ergotherapie
  • Sprach-, Sprech- und Schlucktherapie
  • Neuropsychologie

 

In der Regel sind diese Patienten immobil, inkontinent, künstlich ernährt und teilweise noch auf  intensivmedizinische Behandlungsmöglichkeiten angewiesen. Diese werden in den meisten Rehabilitationseinrichtungen für Phase B auch vorgehalten. Durch umfangreiche rehabilitative Maßnahmen (Behandlungspflege, Therapien) soll eine Besserung des Bewusstseinszustandes und die Herstellung der Mitarbeit des Komapatienten an den Therapien erreicht werden.

Aufnahmekriterien: Nicht mehr dauerbeatmungspflichtig, kreislaufstabil, Verletzungen versorgt, Knochenbrüche übungsstabil. Kein Hirndruck.

 

Kostenantrag

 

Eine Anschlussheilbehandlung (AHB) bzw. eine Anschlussrehabilitation (AR) kann nur durch das Akutkrankenhaus eingeleitet werden. Anträge werden im Akutkrankenhaus entweder vom zuständigen Arzt oder vom Sozialdienst gestellt.

 

In der Frührehabilitation Phase B (akutstationäre Krankenhausbehandlung) ist der Kostenträger immer die Krankenkasse.

 

Je nach Rehabilitationsfortschritt und weiterem Rehabilitationsziel wird der Patient dann in Phase C übergeleitet oder in den Bereich der medizinisch-aktivierenden Behandlungspflege (Phase F) aufgenommen.

 

Phase C: Weiterführende Rehabilitation

 

Der Patient kann in der Therapie bereits mitarbeiten, muss aber noch mit hohen pflegerischem Aufwand betreut werden. Die Patienten sind bei vielen Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) noch auf pflegerische Hilfe angewiesen.

 

Voraussetzungen für die Phase C :

 

  • Die Patienten sind überwiegend bewusstseinsklar und können somit kooperativ an mehreren Therapiemaßnahmen täglich teilnehmen.
  • Die motorischen Fähigkeiten ergeben mindestens 35 bis 65 Punkte im Barthel-Index
  • Bestehende Begleiterkrankungen müssen unter therapeutischer Kontrolle sein und dürfen eine weitere Mobilisierung nicht verbieten oder behindern.

 

Hauptziel in dieser Phase ist es, die Selbstständigkeit des Patienten im Alltag zu erreichen, d. h. in dieser Phase wird vor allem versucht, "Rehabilitation vor Pflege" zu verwirklichen.

 

Je nach Rehabilitationsfortschritt und weiterem Rehabilitationsziel wird der Patient dann in Phase D übergeleitet, in die ambulante Nachsorge nach Hause entlassen oder in den, auch auf Langzeit angelegte, Phase F-Bereich der Neurologischen Rehabilitation übernommen.

 

Phase D: Medizinische Rehabilitation

 

Diese Phase beinhaltet die Aufgaben der bisherigen klassischen medizinischen Rehabilitation im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung oder eines Heilverfahrens.

 

(WICHTIGER Hinweis für Schlaganfallpatienten:

 

Patienten mit einer sehr raschen Rückbildung neurologischer Defizite während der Akutphase können direkt von der Akutbehandlung (Phase A) in diese Phase übergehen).

 

Folgende Voraussetzungen müssen für die Phase D erfüllt sein:

 

  • Die Patienten sind bei den Aktivitäten des täglichen Lebens (auf Stationsebene) weitestgehend selbstständig, eventuell unter Benutzung entsprechender Hilfsmittel.
  • Die motorischen Fähigkeiten ergeben mindestens 70 bis 100 Punkte im Barthel-Index
  • Die Patienten sind kooperationsfähig und bereit, an ihrer Rehabilitation aktiv mitzuarbeiten.

 

Hauptziel dieser Phase ist die Besserung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben bzw. die Minderung krankheitsbedingter Behinderungen.

 

Hier ist die Rentenversicherung der zuständige Leistungsträger, bzw. die Unfall- oder Krankenversicherung (bei besonderen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen).

 

An diese Phase schließen sich weitere Maßnahmen zur beruflichen und psychosozialen Rehabilitation an, die dann zur Phase E, der ambulanten Nachsorge, überleiten.

 

 

Phase E: Nachgehende Rehabilitation (auch ambulante Nachsorge genannt)

 

Behandlungs- und Rehabilitationsphase nach Abschluss einer medizinischen Rehabilitation (Phase D).

 

Nachgehende und berufliche Reha in Bezug auf Leistungen zur Sicherung des Erfolges der medizinisch-therapeutischen Rehabilitation und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, bzw. zur Teilhabe an Erziehung und Bildung, sowie am Leben in der Gemeinschaft.

 

Hier geht es insbesondere bei den Behandlungszielen um die Sicherung des medizinischen Behandlungserfolges, bzw. um Vorbeugung oder Besserung einer Behinderung (bzw. Verhütung), von deren Verschlimmerung sowie Vermeidung oder Minderung von Pflegebedürftigkeit und um die berufliche Wiedereingliederung (1. oder 2. Arbeitsmarkt) sowie die soziale und häusliche Wiedereingliederung.

 

 

Auch die Formen des „Betreuten und begleitenden Wohnens“ sind der Phase E zuzuordnen (vormals als Phase G bezeichnet)

 

Durch ein Therapie-, Beratungs-, Betreuungs- und Pflegeangebot soll den Schädel-Hirnverletzten nach erfolgter Rehabilitation/Teilrehabilitation unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" geholfen werden, um zum selbstbestimmtem Leben zurückzufinden.

 

Phase F: Aktivierende Langzeitversorgung

 

Trotz aller medizinischen und rehabilitativen Bemühungen in der Akutbehandlung und in den nachfolgenden Behandlungsphasen (meist schon nach Phase B) bleiben bei einer Reihe von neurologischen Patienten schwerste Schädigungen bestehen. Sie gehen vom Apallischen Durchgangssyndrom bis zu verschiedenen Graden von Fähigkeitsstörungen (oft auch mit Mehrfachbehinderungen).

 

Diese Rehaphase ist auf Langzeit angelegt. Oftmals sind diese Patienten weiterhin künstlich ernährt, mit Dauerkatheter versorgt und haben noch immer einen Luftröhrenschnitt (Tracheostoma).

 

Erste Wahl der Unterbringung sollte eine, auf Wachkomaversorgung, spezialisierte Langzeitfachpflegeeinrichtung sein. Hier wird durch den, an die aufwändige pflegerische- und behandlungspflegerische Versorgungsform, angepassten Personalschlüssel, eine Rund-um-Versorgung in Zusammenarbeit mit Fachärzten und Therapeuten gewährleistet. Heimaufsicht und MDK kontrollieren die Pflege- und Versorgungsqualität und auch die Rehaziele.

 

Diese neurologische Rehabilitationskette gibt es nur bei uns in Deutschland. Sie ist deshalb weltweit einmalig, denn in den meisten Ländern –selbst in Europa- gibt es sie nicht einmal ansatzweise. Die Versorgung im Bundesgebiet von Phase A – E ist das Lebenswerk unseres Verbandes.

 

Darauf sind wir stolz!

 

Siehe auch Schaubild:

 

 

 

 

Quelle: „Empfehlungen zur Neurologischen Rehabilitation von Patienten mit schweren

und schwersten Hirnschädigungen“ ( ISSN 0933-8462 )

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR), Solmsstraße 18, 60594 Frankfurt am Main

 

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation ist die gemeinsame Repräsentanz aller Verbände der gesetzlichen Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung, Kriegsopferfürsorge und Sozialhilfe, der Bundesanstalt für Arbeit, sämtlicher Bundesländer, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Deutschen Angestelltengewerkschaft, der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände

sowie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu dem Zweck, die Maßnahmen der medizinischen, schulischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation zu koordinieren und zu fördern.

Bundesweite

Notruf- und Beratungszentrale

Telefon 0 96 21/6 48 00

 

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