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Leitlinie zur Versorgung von tracheotomierten und laryngektomierten Patienten

Der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, hat eine Leitlinie zur „Versorgung von tracheotomierten und laryngektomierten Patienten“ als 40-seitige Broschüre veröffentlicht. Die Leitlinie wurde vom BVMed-Fachbereich „Tracheostomie/ Laryngektomie (FBTL)“ erarbeitet und beschreibt Qualitätsstandards zur Versorgung von Kehlkopflosen und schwer Atemwegserkrankten.

 
 

Übersichtliche Broschüre mit Tipps

Die Broschüre informiert die betroffenen Patienten sowie die sie unterstützenden Leistungserbringer und Pfleger in übersichtlicher und komprimierter Form und gibt Tipps für den Umgang mit den Hilfsmitteln, die zur Versorgung benötigt werden. Insbesondere enthält die Leitlinie Hinweise zur Pflege des Tracheostomas. Es wird detailliert erklärt, welche Kanülen und welches dazugehörige Zubehör unerlässlich sind und wie sie gepflegt werden müssen, um ihre Funktionsfähigkeit zu gewährleisten.

Einleitung zur Behandlung tracheotomierter Patienten

Tracheotomierte (bzw. laryngektomierte) Patienten müssen nach der Operation eine Trachealkanüle (laryngektomierte Patienten eventuell auch eine Basisplatte) tragen. Die Kanüle wird das Atmen merklich erleichtern. Sie benötigt allerdings auch ein gewisses Maß an Pflege. Außerdem wird es erforderlich sein, dass einige Dinge des täglichen Lebens anders verrichtet werden müssen als bisher.

Im Krankenhaus sollte der Patient gelernt haben, die notwendige Pflege selbst vorzunehmen. Dabei ist es wichtig, dass er dabei nicht nur Kenntnisse erworben hat, wie man eine Innenkanüle wechselt, sondern dass er auch einen kompletten Kanülenwechsel allein durchführen kann. In der ersten Zeit nach der Entlassung gestaltet sich das oft als schwierig.

Die BVMed-Broschüre gibt nützliche Informationen und praktische Ratschläge. Sie soll dabei helfen, mit der richtigen Ausrüstung und der richtigen Pflege der Trachealkanüle den Alltag zu bewältigen.

Individuelle Merkmale von Trachealkanülen

Bei Trachealkanülen gibt es eine große Palette unterschiedlicher Ausführungen, die sich in Funktion, Material, Bauart und Zubehör unterscheiden. Dadurch lassen sich Kanülen auch durch Form, Flexibilität, Größe und Beschaffenheit differenzieren. Die Entscheidung für eine bestimmte Kanüle wird immer auf den einzelnen Patienten abgestimmt sein. Erfahrungsgemäß gibt es aber eine Hierarchie in der Wichtigkeit der Funktionen, die eine Trachealkanüle erfüllen soll.

Beispiel für ein Anforderungsprofil:

  • geblockt/ungeblockt
  • mit/ohne Stimmoption
  • Bauart (Krümmung)
  • mit/ohne Normkonnektor
  • Material (Silber/ Kunststoff/ Silikon/Kunststoff mit Spirale)

Der Trachealkanülenwechsel

Unabhängig von den Reinigungsintervallen ist bei bestimmten Trachealkanülen ein Austausch der Trachealkanüle nach den empfohlenen Zeitintervallen der Kanülenhersteller vorzunehmen. Das Auswechseln und Entsorgen erfolgt nach den Anleitungen des Herstellers und des behandelnden Arztes oder Pflegedienstes und darf nur in Kenntnis der korrekten Handhabungsschritte vorgenommen werden.

Das Auswechseln der Trachealkanüle zu den empfohlenen Zeitintervallen ist für die ordnungsgemäße Funktion der Kanüle notwendig. Trachealkanülen dürfen nicht länger als 29 Tage ununterbrochen genutzt werden.

Wichtige Hinweise – vor dem Auswechseln der Kanüle beachten:

  • Befolgen Sie immer die Anweisungen Ihres Arztes oder des Krankenhauspersonals, wenn diese von den Anweisungen in diesem Leitfaden abweichen. Versuchen Sie erst dann Ihre Trachealkanüle auszuwechseln, wenn Sie in die erforderlichen Verfahren eingewiesen wurden. Fragen richten Sie bitte an Ihren Arzt oder an Ihr Krankenhaus.
  • Halten Sie für den Notfall immer komplette Trachealkanülen-Sets bereit (eine in der gleichen und in der nächstkleineren Größe).
  • Vor dem Gebrauch sind die in jeder Kanülenpackung enthaltenen Gebrauchsanleitungen sorgfältig durchzulesen.

Der BVMed-Leitfaden zeigt detilliert in über 20 Einzelschritten, wie eine neue Kanüle mit oder ohne Cuff gewechselt werden muss.

Befeuchtung und Erwärmung

Da sowohl tracheotomierte als auch laryngektomierte Patienten durch das Tracheostoma atmen, ist es erforderlich, die fehlende Nasenfunktion (Befeuchten, Erwärmen und Filtern der Luft) künstlich zu ersetzen.

Hierzu eignet sich insbesondere der Einsatz eines Wärme- und Feuchtigkeitsaustauschers (HME = Heat-and-Moisture-Exchanger), der umgangssprachlich auch sehr treffend als "künstliche oder feuchte Nase" bezeichnet wird.

Ein HME hält einen Teil der Feuchtigkeit und Wärme, der sich in der Luft befindet, die durch den HME ausgeatmet wird, zurück, und gibt ihn beim Einatmen wieder in die Atemwege ab. Zudem stellt ein HME den verlorengegangenen Ausatemwiderstand her, der normalerweise die Alveolen* (Lungenbläschen) geöffnet hält, um die Sauerstoffversorgung des Blutes zu verbessern. So herrschen in der Lunge wieder ähnliche Druckverhältnisse wie vor dem operativen Eingriff. Ohne den Einsatz eines HME wäre die Atemluft zu kalt und zu trocken. Ein Atemwiderstand wäre nicht vorhanden.

Außerdem wird durch den frühzeitigen Einsatz (unmittelbar nach der Operation) eines HME der Borkenbildung vorgebeugt. Schon nach wenigen Minuten kommt es ohne den Einsatz einer künstlichen Nase zum Austrocknen der Trachealschleimhaut und damit zur Borkenbildung, wodurch das Infektionsrisiko drastisch erhöht wird.

Zusätzlich stellt ein HME einen wirksamen Filter für Fremdkörper (wie z. B. Schmutz oder Staubpartikel sowie Insekten) dar. Daher ist der Einsatz eines HME dringend zu empfehlen.

Entwöhnung von der Trachealkanüle

Wenn die primäre Ursache für die Schaffung des Tracheostomas nicht mehr besteht, kann der Entwöhnungsprozess beginnen. Sofern ein Ödem im Bereich der oberen Atemwege aufgetreten ist oder eine ausgeprägte körperliche Schwäche oder ein neurologisches Defizit besteht, sollte die Entwöhnung über einen längeren Zeitraum erfolgen, weil der Patient durch die Atmungsarbeit ermüden kann. Das ist auf die Verengung des Atemwegs durch die Trachealkanüle und auf den vergrößerten Totraum durch die Kanüle zurückzuführen.

Die Entwöhnung kann beginnen, sobald folgende Kriterien erfüllt sind:

  • primäre Ursache für die Tracheotomie ist beseitigt
  • wirksamer Schluck- und Hustenreflex ist vorhanden
  • angemessene Ernährung
  • ausreichender Schlaf
  • psychologische Unterstützung

Die Entwöhnung ist ein schrittweiser Prozess, der gut geplant und überwacht werden muss. Jeder Patient ist individuell zu behandeln, die Entwöhnungsphase kann dementsprechend kürzer oder länger sein.

Notfallmaßnahmen bei Patienten mit Tracheostoma

Die Wiederbelebungsmaßnahme richtet sich nach der Ursache für die Anlage des Tracheostomas und der Art der eingelegten Kanüle. Das Wichtigste ist die Sicherung eines offenen Luftweges. Wenn oberhalb des Stomas ein Teil der Trachea entfernt werden musste, muss die Wiederbelebung über das Stoma erfolgen. Ist eine Kanüle mit Cuff eingelegt, muss der Cuff vor der Wiederbelebung aufgeblasen (geblockt) werden. Eine Mund-zu-Stoma-Beatmung ist zwar möglich, aber die Anwendung eines Beatmungsbeutels, der entweder an den 15-mm-Konnektor der Trachealkanüle oder einer Notfallbeatmungsmaske/-trichter über dem Stoma angeschlossen wird, ist vorzuziehen.

Alle Pflegekräfte, die an der Versorgung von tracheotomierten Patienten beteiligt sind, sollten in der Anwendung von Wiederbelebungsmaßnahmen unterwiesen werden.

Laryngektomierte Patienten können ausschließlich über das Tracheostoma wiederbelebt werden!

Die Broschüre

Die Broschüre kann im Internet unter www.bvmed.de (Publikationen – Hilfsmittel) bestellt werden.

Sie kostet als Einzelexemplar 5,60 Euro zzgl. 7 % MwSt. und Versand (ab 10 Exemplare Stückpreis 3,90 Euro, ab 50 Exemplare Stückpreis 2,30 Euro).

Kontakt:

BVMed – Bundesverband Medizintechnologie
Reinhardtstr. 29 b
10117 Berlin
Tel. (030) 246 255-0
E-Mail: info@bvmed.de
Internet: www.bvmed.de

 
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